ok 
  Herkules und die Königin der Amazonen
Original: Ercole e la regina di Lidia

 

 Startseite /  Gebrauchsanweisung

 Einführung / Epochen

 Filme nach  Produktionsjahr

 Filme alphabetisch

 Filme nach Zeit, in der  die Handlung spielt

 Fachliteratur

 Romane

 Comics

 Ausflugsziele

 Impressum & Kontakt

 

Italien + Frankreich + Spanien

1958

Lux Italia + Galatea + Lux France + Urania

Regie: Pietro Francisci


Darsteller:

Steve Reeves ... Herkules
Sylva Koscina ... Iole, seine Braut
Gabriele Antonioni ... Odysseus, sein Helden-Lehrling
Sylvia Lopez ... Omphale, Königin von Atlantis
Sergio Fantoni ... Eteokles, König von Theben
Mimmo Palmara ... Polyneikes, Bruder von Eteokles
Cesare Fantoni ... Ödipus, Ex-König von Theben und Vater der Brüder
Carlo D'Angelo... Kreon, Priester und Berater am Hof von Theben
Gianni Loti ... Sandone, Kommandant von Atlantis
Primo Carnera ... Antaios, ein Riese
Andrea Fantasia ... König Laertes von Ithaka, Odysseus' Vater
Patrizia Della Rovrer ... Penelope, Odysseus' Frau
Fulvia Franco ... Antikleia, Odysseus' Mutter
Aldo Fiorelli ... Argos, Schiffsbauer und Kapitän
Walter Grant ... Aeskulap, alter Gesandter aus Ithaka
Fulvio Carrara ... Castor, junger Gesandter aus Ithaka
Willi Colombini ... Pollux
Gino Mattera ... Orpheus
Daniele Varga ... Amphiaraos, Wahrsager und General aus Argolis


Crew:

Drehbuch ... Ennio de Concini, Pietro Farncisci, frei nach Sieben gegen Theben von Aischylos (um 450 vor Christus)
Produktion ... Bruno Vailati
Kamera ... Mario Bava
Schnitt ... Mario Serandrei
Art Direction ... Massimo Tavazzi
Kostüme ... Maria Baroni
Musik ... Enzo Masetti


Zeit, in der der Film spielt: 1260 v. Chr.


Beschreibung:

90 Minuten

Kurzinhalt:
Schließt inhaltlich direkt an Die unglaublichen Abenteuer des Herkules (1957) an:
Herkules kehrt mit seiner frisch angetrauten Frau Iole und Odysseus, der bei ihm in Ausbildung ist, von seinem ersten Abenteuer heim nach Theben - und muss feststellen, dass etwas faul ist. Der alte König Ödipus wurde von seinen beiden Söhnen, den Prinzen Enteokles und Polineikes abgesetzt. Die Söhne haben daraufhin vereinbart, dass sie abwechselnd jeder ein Jahr König sein dürfen. Wie man sich denken kann, klappt dieser Machtwechsel nicht reibungslos: Da der eine von den beiden nach einem Jahr nicht abtreten will, ruft der andere die verbündete Armee von Argolis zu Hilfe - da will Herkules einschreiten, bevor es zu einem blutigen Bürgerkrieg kommt. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt die Königin von Atlantis dazwischenfunkt und Herkules in ihr Reich entführt. Nun muss Odysseus sich schnell etwas einfallen lassen...




Kritik:
Wesentlich stimmiger und gelungener als sein Vorgänger - allerdings sind die mehr als 50 Jahre auch an diesem Film nicht spurlos vorübergegegangen: Auf heutige Betrachter wirkt das Ganze recht zähflüssig und ziemlich kitschig. Immerhin sind die aufwändigen Fantasy-Kulissen und die abwechslungsreiche Geschichte nicht ohne Reiz - und werden durch die zahlreichen Gastauftritte prominenter Figuren aus der griechischen Mythologie sogar noch bereichert.
Bleibt die Frage, wieso Herkules damals in dieses Aischylos-Stück hineingeschrieben wurde und man nicht einfach seine berühmten 12 Taten verfilmt hat.




Fakten:
* Genau wie 1953 bei Die Gladiatoren wurde dieser Film gleich im Anschluss an Die unglaublichen Abenteuer des Herkules mit derselben Besetzung und Crew gedreht, noch bevor der erste Film fertig gestellt war - um die teure Ausstattung und Steve Reeves gleich weiterverwenden zu können.

* Von den zahlreichen antiken Herakles-Mythen haben es nur der legendäre Riese Antaios, Iole und Omphale in diesen Film geschafft.

* Antaios war der Sage nach ein Riese, der jeden zum Kampf herausforderte, der des Weges kam. Als Sohn der Erdgöttin Gaia erhielt er immer neue Kraft aus der Erde und war daher kaum zu besiegen (wie im Film). Er hat einen weiteren Auftritt in Die Herausforderung des Herkules (1965) und Disney's Hercules, Episode 19 (1998).

* Der Königin Omphale musste Herkules der Sage nach drei Jahre lang dienen, als Strafe dafür, dass er den Vater von Iole getötet hatte. In dieser Zeit wurde sie seine zweite Frau (nach Megara und vor Deianira). Im Film hält er sich nur drei Wochen bei ihr auf und heiratet sie nicht.
Im italienischen Original ist Omphale (wie in der Sage) die Königin von Lydien (in der heutigen Türkei), aber das war dem deutschen Verleih wohl nicht exotisch genug: In den synchronisierten Dialogen wird sie die Königin von Atlantis genannt und im Titel die der Amazonen.

* Iole war die Tochter von König Eurytos. Herkules gab sie eigentlich seinem Sohn Hyllos zur Frau, nachdem er ihren Vater getötet hatte. Der Sage nach war er nicht mit ihr verheiratet.

* In dem Aischylos-Stück wird König Ödipus tatsächlich von seinen beiden Söhnen Polyneikes und Eteokles abgesetzt, weil er durch sein Verhalten Schande über Theben gebracht hat. Dieses Verhalten (den Vater töten und dann die eigene Mutter heiraten) wird im Film taktvoll verschwiegen - da muss Ödipus lediglich aus Altersgründen abdanken. Immerhin wird er korrekt als blind dargestellt - siehe König Ödipus (1968).

* Polyneikes heißt im italienischen Original Polinice (auf Deutsch: der Bestäuber). So werden Leute genannt, die bei der Blumenzucht die Blüten mit einem Pinsel bestäuben - ein interessantes Hobby für einen Prinzen. Eteokles kümmert sich (im Film zumindest) lieber um Tiger.

* Kreon ist in den Ödipus-Geschichten der Bruder der Iokaste (Ödipus' Mutter und Frau) und müsste daher eigentlich ein steinalter Mann sein.

* General Amphiaraos kommt nicht nur in diesem Theaterstück, sondern auch in der Argonautensage vor.

* Die Idee des Helden in Ausbildung wird 1998 in Disney's Hercules wieder aufgegriffen.




ausführliche Inhaltsangabe
Gleich am Anfang sehen wir, wie Soldaten einen besinnungslosen Mann zu ihrer Königin bringen. Sie nimmt den schönen Unbekannten zu sich und lässt ihren aktuellen Begleiter töten. Diese Ereignisse werden durch den Vorspann unterbrochen.

Nun geht Herkules zusammen mit seiner Braut Iole und Odysseus, dem Sohn des König Laertes von Ithaka, an der Küste von Theben an Land. Nach dem gerade bestandenen Abenteuer will er nun mit Iole nach Hause. Laertes hat ihm Odysseus anvertraut, damit der unreife Bengel bei ihm lernt, wie sich ein richtiger Held verhält, und einen Käfig mit Tauben, die immer zurück nach Ithaka fliegen und daher als Brieftauben von Odysseus genutzt werden können.
Auf dem Weg nach Theben stellt Herkules seine ungeheure Kraft unter Beweis, indem er den Riesen Antaios ins Meer wirft, der für ihrem Wagen Wegezoll kassieren wollte. Als die kleine Gruppe in einer Höhle vor dem Regen Schutz sucht, treffen sie auf Soldaten aus Argolis, die zu Prinz Polyneikes gehören, einem Sohn von Ödipus, dem König von Theben. Der Prinz besucht in der Höhle gerade seinen Vater, um ihn zur Heimkehr nach Theben zu bewegen. Doch der alte Ödipus will in der Höhle in die Unterwelt eintreten. Auf sein Ende wartend, erzählt er Herkules, dass seine beiden Söhne ihn abgesetzt haben und nun abwechselnd jeder ein Jahr lang König sein wollten. Doch nun ist ein Jahr um, und Eteokles weigert sich, den Thron für Polyneikes zu räumen. Daher hat dieser die Armee von Argolis um Hilfe gerufen, um sich die Macht mit Gewalt zu holen. Herkules ist entsetzt: Das läuft auf einen Bürgerkrieg heraus - das will er unbedingt verhindern.
Während Ödipus in den Hades geht, eilen Herkules, Odysseus und Iole nach Theben, um mit König Eteokles zu reden. Eteokles will im Grunde auch keinen Krieg und entsendet Herkules und Odysseus mit einer Friedensbotschaft zu Polyneikes, in der er den Thron zu gewissen Bedingungen anbietet. Iole soll als Geisel in Theben bleiben.

Die beiden Helden machen sich auf den Weg - und landen an einer geheimnisvollen Quelle. Herkules trinkt aus ihr - und fällt in komatösen Schlaf. Während Odysseus noch versucht, ihn zu wecken, kommen die Soldaten aus der ersten Szene und nehmen die beiden mit sich
Herkules und Odysseus landen auf einem Schiff, das sie nach Atlantis bringt. Odysseus spielt den Taubstummen, damit die Soldaten ihn für völlig harmlos halten und in seiner Gegenwart frei sprechen. In Atlantis werden sie der Königin Omphale vorgeführt, die wir auch bereits aus der ersten Szene kennen. Omphale nimmt Herkules zu sich - und lässt den schönen Fremden aus der ersten Szene töten. Herkules wird in ein elegantes Zimmer gelegt - Odysseus wird eingesperrt.
Als Herkules aufwacht, hat er alles vergessen. Er weiß nicht einmal mehr, wer er ist. Omphale erzählt ihm, er sei ihr Mann und der König von Atlantis. Von Odysseus befürchtet sie keine Gefahr, da der ja angeblich nicht reden kann. Daher darf er sein Diener bleiben. Odysseus durchschaut, dass in dem Wasser, das Herkules zu trinken bekommt, ein Mittel sein muss, das ihm das Gedächtnis und die Kraft raubt. Daher gibt er ihm heimlich von dem Wasser, das auch die Atlantiden trinken, und versucht, sein Gedächtnis aufzufrischen. Doch Herkules fühlt sich wohl an der Seite von Omphale und glaubt ihm nicht. Da schreibt Odysseus eine Nachricht an seinen Vater und lässt eine von den Brieftauben damit fliegen (die er seltsamerweise die ganze Zeit mitnehmen konnte).

In Ithaka liest König Laertes die Nachricht, in der steht, dass Odysseus und Herkules in Atlantis sind und er sie holen soll. Laertes holt seine Getreuen (unter ihnen Äskulap und Castor) und macht sich auf den Weg.

In Atlantis hat Herkules sich immer noch nicht vollständig erholt (auch wenn seine Kraft langsam zurückkehrt) als die Besucher aus Ithaka kommen. Omphale heißt die hohen Gäste herzlich willkommen - dabei passiert eine Panne: Herkules erscheint im Thronsaal. Die Männer aus Ithaka erkennen ihn sofort, aber er sie nicht. Laertes schaltet sofort und tut so, als habe man sich geirrt. Immerhin hat Herkules nun bemerkt, dass an der Geschichte von Odysseus wohl etwas dran ist. Durch die strenge Wasser-Diät regt sich sein Gedächtnis auch wieder. Er sucht Omphale auf und sagt ihr mitten ins Gesicht, dass er mit den Besuchern nach Ithaka zurückkehren wird. Omphale gibt nach und lässt die Gruppe gehen. Sie hat echte Gefühle für Herkules entwickelt und meint daher auch, es sei wohl besser, wenn er geht. Doch nun geschieht noch eine Panne: Odysseus spricht. Omphale und ihre Soldaten wissen nun, dass er alles mitbekommen hat, was im Palast so gemacht und gesprochen wird. Ohne lange zu fackeln befiehlt sie, alle zu töten (denn da versteht sie keinen Spaß, wir werden gleich sehen, warum).

Odysseus führt die Gruppe durch einen Nebenausgang zum Meer, während Herkules die Soldaten mit einer schweren Tischplatte auf Distanz hält. Auf dem Weg durch den Palast sehen die Griechen das dunkle Geheimnis der Omphale: Sie hat alle ihre Liebhaber töten und von Alchimisten aus Ägypten lebensecht konservieren lassen. Sie stehen nun wie die Statuen in einer Grotte am Meer - ein Platz für Herkules war auch schon reserviert. Omphale sieht, wie die Griechen zum Schiff schwimmen und in See stechen - da nimmt sie sich das Leben.

An Bord des Schiffes Argo, das sie alle wieder nach Hause bringt, erzählen die Griechen Herkules, das er drei Wochen in Atlantis war. Er muss resigniert feststellen, dass er versagt hat und in Theben wohl schon Krieg ist.

In Theben vermutet Eteokles tatsächlich, dass Herkules inzwischen zum Feind übergelaufen ist. Als Druckmittel will er daher alle verhaften lassen, von denen man weiß, dass sie Anhänger seines Bruders sind. Sollte Theben angegriffen werden, kann er die alle hinrichten lassen.

Von dieser Maßnahme berichtet man Herkules, als er endlich ankommt. Er entscheidet sich, über die Wasserzufuhr in Theben einzudringen und die Gefangenen zu befreien.

Derweil warten Polyneikes und seine Armee nur darauf, Theben endlich angreifen zu können - da schickt sein Bruder ihm eine Nachricht, in der er einen Zweikampf vorschlägt, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. In diesem Zweikampf töten sie sich gegenseitig. Nun kann der Weise Kreon neuer König werden. Herkules verteidigt Theben nun noch gegen die Armee von Argolis - dann schließt er Iole in seine Arme - von nun an werden sie hoffentlich ein friedliches Leben führen können. Iole ist da skeptisch - zu Recht, denn mit diesem Film ging die Herkules-Welle ja erst so richtig los - ENDE